dreizehn – Zusammen Puzzeln

#Blasentang #Liquidseife #Ballaststoffe

Sie hofft, sie ist nicht die einzige 43jährige, die mit den Jahren, so die ein oder anderen Ballaststoffe angesammelt hat, wenn es um das Thema »Dates« geht. So aufgeklärt und reflektiert sie auch ist, spätestens 30 Minuten vor dem ersten Date eskaliert sie. Vieles während der Eskalation hat leider mit Körperlichkeiten zu tun. Ja, diese dumme Frage, die sich ihr irgendwann immer aufdrängt – findet er sie hübsch? Hübsch genug? Kann er mit dem untrainierten Körper einer Mittvierzigerin umgehen? 

Sie bemüht sich, diese Frage mit einer Gegenfrage im Keim zu ersticken. Sie hat begonnen sich bewusst zu fragen, ob sie ihn hübsch findet? Innen wie Außen. Oder ob sie sich nur wünscht, ihn schön zu finden. Meistens oder manchmal hilft es ihr. 

Klar, sie hat im Laufe der Jahre dazu gelernt. Es gibt zum Beispiel klare No-Gos, die sie auch auszusprechen weiß. Zum Beispiel: Keine sportlichen Aktivitäten beim ersten Date, zumindest nicht, wenn sie ernstliches Interesse an der Person hat. Quatscht er zu viel – was bei Männern, in ihrer bevorzugten Altersklasse durchaus häufig vorkommt – sagt sie das. Wobei auch das unterschiedliche Qualitäten hat. Interessiert es sie, was er redet, unterbricht sie ihn in Atempausen… mit Fragen. Sie stellt gute Fragen. Über die eigentlich jeder einen Augenblick nachdenken sollte. Tut er dies nicht, sondern labert irgendeinen Dreck oder wechselt sogar das Thema – beendet sie das Date.

Auch das fällt ihr mittlerweile leichter. Sie fühlt sich nicht mehr so schnell verantwortlich, ihm einen schönen Abend zu bereiten. Dazu gehören definitiv zwei. Dazu gehört für sie eben auch, dass er Interesse auch an ihr zeigt. Ebenso gute Fragen stellt, wie sie. Und wirklich darauf brennt, ihre Antwort zu hören. 

Sie träumt davon, dass sie irgendwann mal wieder von jemanden etwas total Verrücktes gefragt wird. So zum Beispiel: Was findest du hübsch an Blasentang? Und dann zeigt er ihr ein gegoogeltes Foto von dem ekligen Algenkraut, lacht, bestellt Gin Tonic und wartet geduldig bis ihr etwas einfällt. Ja, das ist zum Beispiel eine verdammt gute Frage für ein erstes Date, findet sie.

Es gibt auch No-Gos, die sie nicht benennt oder anspricht, die prüft sie im Stillen. Macht er Witze auf Kosten anderer? Hält er einer anderen Person (nicht unbedingt ihr, sondern wenn nach ihr noch jemand kommt) die Tür auf? Bietet er in der Bahn einer Person, die es gebrauchen kann, seinen Platz an? Trägt er zu viel Parfum? Gibt er Trinkgeld? Lästert er über die Bedienung im Restaurant, die einen klitzekleinen Fehler gemacht hat? Ist er mäkelig beim Essen? Wie laut sind seine Kaugeräusche? Liegt eine deutliche Staubschicht auf und um den Pumpspender der Liquidseife in seinem Bad? Die Liste dieser No-Gos ist leider sehr lang geworden in den letzten Jahren. Das ist ihr bewusst. Aber sie helfen ihr, und ihrem teils sehr wundgelebtem Herzen. 

Doch es wird irgendwie trotz ihrer Vorkehrungen nicht leichter, diese Date-Kiste. Erfahrungen, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Erwartungen rasen in Sekundenschnelle aufeinander zu, kollidieren unweigerlich. Und dann versuchen zwei, die sich so sehr wünschen, dass es passt, die gecrashten Befindlichkeiten bei einem Essen oder Kaffee aus den jeweiligen Wracks zu schneiden und zusammenzusetzen. Das braucht Zeit, die sich beide nehmen müssen wollen.

Sie hat sich vorgenommen, weiter Erfahrungen zu sammeln, sie gibt die Hoffnung nicht auf, jemanden zu finden, mit dem das Zusammenpuzzeln der Wrackteile plötzlich wirklich Spaß macht.

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