elf – Strafarbeit für einen Weihnachtself

#Bauchnabel #Höhle #Schulterblatt

Welcher Elf träumte nicht von einer Karriere beim Weihnachtsmann? 12 Jahre Schulbank drücken und dann sollte es direkt losgehen. Das Bewerbungsgespräch war ein Klacks. Ein paar Fragen zu den Erfahrungen mit Kindern, der Einstellung zum Schenken, dem Umgang mit Hornvieh insbesondere Rentieren. Er hatte weder Allergien, noch Abneigungen, Kinder waren ihm vertraut, die braven wie die frechen, er unterstützte gern den Lokalen Handel, vom Online-Shopping machte er kaum Gebrauch, er wusste eine gute Zuckerstange zu gegebenen Anlässen durchaus zu schätzen. 

Seine Noten sprachen ebenfalls für ihn: Handarbeiten 1, Flechten und Knüpfen 1 minus, Malen und Klatschen 1 plus. Ein Elfen-Streber. 

Es wunderte niemanden, dass er den Job bekam. Seine Lehrer prophezeiten ihm eine steile Karriere am Nordpol.

Doch dann kam alles anders als erwartet. Es begann bereits am 11. Dezember. Er war nun 11 Tage im Dienst, die Probezeit war damit überwunden. Der fleißige Elf hatte bereits alle Geschenke vorbereitet, verpackt und versandtfertig deponiert. Und das im Alleingang. Während andere ruhige Weihnachtskugeln von A nach B schoben, lud er sich Aufgabe für Aufgabe auf sein armes kleines Schulterblatt. 

Es begann mit kleinen Sticheleien von seinen Elfenkollegen. „Typisch Neuer! Keine Ahnung wie es läuft. Will sich profilieren… kriecht dem Chef freiwillig in den Bauchnabel, pah, wird schon sehen, was er davon hat!“, sagten sie hinter vorgehaltenen Nikolaussocken. 

Der Elf machte sich nichts daraus. Er hatte gute Arbeit geleistet und das durfte der Chef auch gern mitbekommen. Und so fusselig war der Bauchnabel auch wieder nicht, wie alle immer sagten. 

Der Unmut der anderen feuerte ihn regelrecht an, noch mehr und noch schneller zu leisten. 

„Hold my Kakao, ihr gemeinen Weihnachtselfen“, sagte er und begab sich an die Produktion für Weihnachten 2020. Schön gemütlich. 

Tja, und dann, eines zauberhaft kalten Tages, Zuckerwatte lag über dem Nordpol, die Glöckchen der Rentiere wurden gerade von dem Weihnachtself frisch poliert, da änderte sich alles, für immer.

„Was zum heiligen St. Martin!“, brüllte der Weihnachtsmann. „Wer verflucht hat die Geschenke schon verpackt und beschriftet?“ 

Viele kleine Elfenfinger zeigten in seine Richtung. 

Das Gesicht des Weihnachtsmanns glühte, mehr als sonst. Diesmal kam es definitiv nicht vom Schnaps. 

„Bist du denn total verrückt?“ 

Der Weihnachtself verstand es nicht richtig. Hatte er nicht alles getan? Hatte er sich nicht besonders Mühe gegeben? Sah der Weihnachtsmann das nicht, fühlte er es nicht in seinem stets freigeräumten Bauchnabel, dass er ein tüchtiger kleiner Geselle war? 

„Aber…“, sagte er.

„Kein Aber. Du hast den Zeitplan ruiniert. Die letzten Tage vor Heiligabend sind die entscheidenen. Gut und Böse, brave und freche Kinder? Hast du noch nie davon gehört, du Amateur?“

Die Unterlippe des kleinen Elfen bebte. Wie konnte er es nur vergessen. Diese alte Tradition, er hatte nicht damit gerechnet, dass diese im Jahr 2019 immer noch gelebt wurde. Er dachte dieses Verfahren wäre obsolet. 

Er hatte sich geirrt. Der Weihnachtsmann schimpfte und schimpfte, die anderen Elfen kicherten. 

Das Ende vom Lied: Der kleine junge Weihnachtself wurde mit einem Fernrohr, Zettel und Stift in eine Höhle unweit der Weihnachtsbäckerei zur Strafarbeit versetzt. Der Geruch von Zimt und Spekulatius sollte ihn zusätzlich quälen. Beobachten und notieren war ab da sein Job. 

Aber womit keiner rechnete, er schaffte auch diesen Job vorzüglich. Und nicht nur die braven und frechen Kinder notierte er… Auch über die Erwachsenen führte er penibel Buch. Das würde den Weihnachtsmann sicher freuen und hoffentlich auch wieder milde stimmen.

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