fünfzehn – bedrohliche Weihnachtstage

#Krümelmonster #Schneeexplosion #Kaminfeuergeruch

Bedrohliche Weihnachtstage

Der kleine Max hatte die Schnauze gestrichen voll. Von allem, von jedem, vom Kindergarten. Die Weihnachtstage verschlimmerten es noch. Ständig Termine. Ständig Verpflichtungen. Immer ein auf Liebkind machen. Hätte er gewusst, was ein Burnout ist, hätte er sich deswegen krankschreiben lassen. Da er diese Option nicht hatte, eskalierte er. Am liebsten im Supermarkt. Aber auch beim Adventssingen mit der Familie, beim Krankenbesuch bei Tante Herta, während der Gute-Nacht-Geschichte vor dem Schlafen gehen. Halt bei jeder Gelegenheit, zu jeder Zeit, und eben auch an allen Orten, zu denen seine Eltern ihn gegen seinen Willen mitschleppten. 

Er könne nicht allein bleiben. Noch nicht. Dafür sei er zu klein. Sagten sie. 

Pah, dachte er. Die haben doch keine Ahnung. Ich bin schließlich schon fünf. Einhalb! 

Nun war der große Vorteil in Max Leben, er hatte einen Opa. Opa Josef. Ein super Typ, fand Max. Der hatte einfach immer die besten, absurdesten, verrücktesten Ideen. Ein Kumpel-Opa wie er im Buche stand. 

Es war der Tag an dem seine Eltern ihn zum Basteln mit ins Seniorenheim schleppen wollten. Er hatte wie immer keinen Bock. Es roch da so komisch und überhaupt, fremde alte Menschen fassten ihn an. Tatschten ihm die Wangen, fummelten in seinen Haaren. Die Vorstellung allein brachte ihn um den Verstand. Also randalierte er. Er randalierte an diesem Tag so gründlich, dass seine Eltern nicht anders konnten und ihn zu Opa Josef brachten. 

»Kannst du auf ihn aufpassen? Wir müssen zum Basteln. Nur ein Stündchen. Geht das?« 

Max zog Grimassen, die Opa eindeutig zu deuten wusste. 

»Na klar«, sagte er deshalb. »Das Krümmelmonster kann bleiben.« 

Max jubelte. Seine Eltern zogen bedröppelt ab. Sie waren sicher neidisch, dachte Max. Aber da waren sie ja selbst schuld. 

Opa Josef schloss die Tür. Bei Opa roch es nicht komisch. Max wusste nicht was anders war, schließlich war er auch ein alter Mensch. Er tippte, es lag am Kaminfeuergeruch. Räucherware hält sich länger, sagte Opa mal. Max verstand nicht was er wirklich damit gemeint hat. Aber das Kaminfeuer brannte, es rauchte aus dem Dach und das Feuer hielt sich den ganzen Tag. Max konnte sich nicht erinnern, das der Kamin jemals aus gewesen war. 

»Na, mein Junge. Hast die Nase ganz schön voll, was?« 

Max nickte und zog die selbige tüchtig hoch.

»Ich auch. Besinnlich soll’s sein. Im Advent. Von wegen. Bedrohlich ist es, der ganze Weihnachtsquatsch. Aber ich habe eine Geheimwaffe gebaut.« 

Max machte große Augen. 

»Erzähl mehr, Opa. Und kann ich Kakao?« 

Opa Josef kochte welchen und tat sogar extra Marshmallows hinein. 

»Weißt du Max, ich kann dir das nicht erzählen. Das einfachste ist, ich zeig’s dir.« 

Max wusste, Opa heckte etwas besonders aus. Das erkannte er am Grinsen.

»Na komm, gehen wir auf den Balkon. Zieh Handschuhe an. Und deine Jacke. Den Kakao kannst du mitnehmen, aber lass ihn nicht fallen.« 

Max zog seine Jacke und Handschuhe wieder an, die Tasse Kakao hielt er mit beiden Händen und folgte seinem Opa auf den Balkon.

Er traute seinen Augen nicht. So etwas schönes, tolles, aufregendes hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen. 

»Boah, Opa. Super! Was ist das?«, fragte er. 

»Das ist unsere Geheimwaffe. Gegen bedrohliche Weihnachtstage.« 

»Toll! Wie funktioniert’s? Kann ich damit schießen?« 

»So in der Art. Pass auf. Hier füllst du Wasser ein. Kaltes Wasser, hörst du?« 

Max nickte, er wollte jeden Schritt lernen und für immer behalten. 

»Dann drückst du den Knopf. Grüner Knopf – wenig bedrohliche Weihnachtstage.« 

»Und der rote?«, fragte Max. 

»Der ist für die ganz ganz übel bedrohlichen Tage bestimmt.« 

»Krass! Und was passiert wenn du den Knopf drückst?« 

»Probier es selbst, Junge. Du hattest echt harte Tage. Drück am besten gleich den Roten!« 

Max nickte, stellte den Kakao aufs Fensterbrett zog seine Fäustlinge aus, damit er einen freien Finger zur Verfügung hatte. Er zögerte. 

»Soll ich echt?« 

»Unbedingt. Vertraust du deinem Opa?« 

Max drückte den roten Knopf. 

Nichts passierte. 

Er sah zu Opa und zog seine Augenbrauen hoch. 

»Kleinen Moment, nur Geduld.« 

Das Gerät zischte.

»Ähhhhm… und duck dich!«, brüllte Opa. 

Beide gingen gerade noch rechtzeitig hinter der Balkonbrüstung in Deckung. 

Die Maschine zischte und brodelte und in einem lauten Knall schoss das Gerät eine Schneelawine in den Vorgarten der Nachbarn. 

Max und Opa Josef jubelten. 

»Der Wahnsinn.« Max war sprachlos. So etwas Geniales hat vor seinem Opa jawohl noch nie jemand erfunden.

»Komm wir laden nach, Mäxchen und wenn Mama und Papa wiederkommen…« 

»Dann drücken die auch mal auf den Knopf für ne Schneeexplosion gegen ihre bedrohlichen Weihnachtstage.« 

»Ganz genau. Und am besten gleich den Roten.« 

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