#Koriander #Krokodil #Karaoke

Seltsame Vorfälle drei

DreiWorte von Martina Herbst: #Koriander #Krokodil #Karaoke

Es war einer dieser koriandergrünen Tage.
Schon grün im Grunde und grün ist grundsätzlich ganz gut. Allerdings mit einem lästigen Bei- und Nachgeschmack von Seife. Nicht jeder schmeckte es, so wie sie. Und es schmeckte ihr ganz und gar nicht.
Sie spürte den Schaum zwischen ihren Zähnen. Klinisch sauber purzelten Wörter von Vernunft, Anstand und Höflichkeit über ihre stetig frischgespülten rosa Lippen. Sie wusch und wünschte den Königkunden einen guten Tag, wie es sich gehörte.

Sie verlies das Büro um 17 Uhr. Das war die einzig mögliche und seifensauberste Zeit, einen koriandergrünen Tag zu beenden.

Eine Federboa wickelte sich zur Feier des Abschieds wie von selbst aus ihrer Schreibtischschublade um ihren Hals und umarmte in einem federleichten Schauer ihre Schultern.

Sie hatte es eilig einmal mehr davon gekommen zu sein. Es war an der Zeit, seifenfrei und auch ein wenig schmutzig zu werden. Richtung und Ziel waren damit klar.

So wahr wie sie jetzt war, frei und frechgelaunt, betrat sie die Bar zum Krokodil.

»Grundgütiger, das hat mir gerade noch gefehlt! Nicht auch noch Karaoke!«, rief ein trotziger Jemand, der ihr entgegen die Bar verlies.
Sie lachte ihm ohne Wehmut hinterher. Denn Karaoke, ja, das hatte ihr gerade noch gefehlt.

Sie trank Pfefferminzlikör und reichlich Gin, sie sprach was und wann und warum und zu wem sie wollte. Sie rauchte und schlug sich vor Lachen auf die Knie. Ihre Federboa bebte mit ihr im gleichen Takt. Dreiviertelnackt.
Keine Spur von Koriander als ihre rotumrandeten Lippen ein erstes und nicht das einzige Lied an diesem Abend laut und leidenschaftlich sang.

Es war ein koriandergrüner Tag, aber jetzt war’s endlich nacht.

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